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  • Zieringer, Robert

Überdurchschnittliche Fehlzeiten in Berufen der chemischen und pharmazeutischen Industrie

Aktualisiert: Feb 20

Laut dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse 2019 haben vor allem Unternehmen der chemischen und pharmazeutischen Industrie mit überdurchschnittlichen Fehlzeiten zu kämpfen: Der durchschnittliche Krankenstand von Chemiearbeitern lag 2018 bei 6,23%. Die Gruppe der Chemiearbeiter weißt damit nach den Metall- und den Lagerberufen den durchschnittlich höchsten Krankenstand auf. Der Durchschnitt aller Arbeitnehmer liegt bei 4,25%, wobei dieser Wert noch durch den verhältnismäßig hohen Krankenstand bei Arbeitslosen verfälscht ist. Vergleicht man die Gruppe der Chemiearbeiter nur mit den sich in Arbeit befindenden Personen, ist der Krankenstand der Chemiearbeiter um rund 50% höher!


Insgesamt ist der Krankenstand seit dem historischen Tiefpunkt im Jahr 2006 (3,1%) kontinuierlich gestiegen und erreichte in 2018 den bisherigen Höhepunkt von über 4%.

Die höchste Anzahl an Arbeitsunfähigkeitstagen (AU-Tage) pro Krankheitsfall ging auch 2018 wieder auf das Konto der psychischen Erkrankungen und Verhaltensstörungen. Mit insgesamt rund 43 AU-Tagen pro Erkrankungsfall liegen die durch psychische Erkrankungen verursachte Arbeitsunfähigkeit noch deutlich vor den Auswirkungen durch Tumore (34 Tage pro Fall) oder Verletzungen (z.B. durch Unfälle) und Vergiftungen (20 Tage pro Fall).


Interessanterweise sind die Ausfallzeiten bei psychischen Erkrankungen für Männer im Durchschnitt 3 Tage höher als bei Frauen. Bemerkenswert ist das, weil ansonsten die durchschnittlichen Ausfallzeiten bei fast allen anderen Erkrankungsarten und auch insgesamt bei Frauen signifikant höher sind. Tatsächlich erkrankten 2018 auch fast doppelt so viele Frauen wie Männer psychisch, aber mit durchschnittlich kürzeren Ausfallzeiten. Heißt: Wenn es die Männer erwischt, dann richtig. Männer tun sich schwerer Hilfe für psychische Erkrankungen in Anspruch zu nehmen und entsprechend schwerer fällt die Erkrankungen dann aus, wenn sie endlich einen Spezialisten aufsuchen.


Unglaublich ist die gewaltige Zunahme der psychischen Erkrankungen. Während die Fehlzeiten aufgrund anderer Erkrankungen seit der Jahrtausendwende auf weitgehend gleichem Niveau blieben, verdoppelten sich die durch psychischen Erkrankungen verursachten Fehlzeiten in diesem Zeitraum fast (ein Anstieg von 92%).


Der Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse belegt wieder eindrucksvoll: Psychische Erkrankungen sind schon seit Jahren auf dem Vormarsch und das obwohl wir in Deutschland über ein gut ausgebautes Netz an Versorgungsmöglichkeiten verfügen. Gerade Unternehmen der chemischen Industrie müssen Wege finden, wie Sie Fehlzeiten in den Griff bekommen. Das bedeutet Maßnahmen zum Schutz der psychischen Gesundheit einzuführen. Eine dieser Maßnahmen kann eine externe Mitarbeiterberatung, auch Employee Assistance Program (EAP) genannt, sein. Dieses Nachfolgemodell der betrieblichen Sozialberatung bietet Arbeitnehmern auf kurzem Wege psychologische Unterstützung an. Auch das ist natürlich keine Wunderwaffe, kann aber große Auswirkungen haben, wenn es richtig eingesetzt wird.



Informationen zu diesem Thema finden Sie in der folgenden Rubrik:


Was ist ein EAP und wie nutze ich es richitg in meinem Betrieb?


Haben Sie Fragen oder Anregungen? Dann kontaktieren Sie mich gerne!


[1] Gesundheitsreport TK 2019:

https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesundheitsstudien/tk-gesundheitsreport-2019-2042098