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  • Zieringer, Robert

Graue Haare Stress

Aktualisiert: Aug 3




Stress führt zu grauen Haaren – wussten Sie schon?


Dann sind Sie eben schlauer als die Wissenschaftler des MIT und der Harvard Universität, die diese Erkenntnis vor einigen Wochen in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht haben [1]. Die dachten nämlich bis vor ein paar Wochen noch, dass graue Haare auch einfach genetisch oder durch eine schlechte Ernährung bedingt sein könnten – es kann eben nicht jeder so schlau sein wie Sie.


Was die Wissenschaftler allerdings schon vorher wussten: das Ergrauen der Haare hat etwas mit den sogenannten Melanozyten zu tun. Das sind Zellen, die unterhalb Ihrer Haut an Ihrem Haaransatz sitzen. Diese Zellen produzieren die Pigmente, die Ihren Haaren die Farbe verleihen. Und wie die meisten Zellen Ihres Körpers, können sie schaden nehmen: durch schlechte Ernährung, durchs älter werden oder eben durch Stress.


80% der arbeitenden Bevölkerung klagt über zu viel Arbeit [2]

Interessanterweise sind Ihre Melanozyten nämlich unmittelbar von Zellen Ihres Stresssystems, dem Sympathikus, umgeben. Dieses Stresssystem durchdringt viel mehr und viel tiefgreifender unseren Körper als wir lange Zeit wussten. Es verursacht die mannigfaltigen Stressreaktionen, die Sie bestimmt kennen: Nacken- und Kopfschmerzen, Magenprobleme, Schwitzen, Verspannungen, Ohrengeräusche, ... Eigentlich soll Ihnen der Sympathikus in Stresssituationen helfen angemessen zu reagieren, indem Sie z.B. aus dem Weg springen, wenn ein Auto auf Sie zurast. Ist er aber zu häufig und zu lange aktiv, kann er (dauerhafte) Schäden verursachen; zum Beispiel Ihre Haare ergrauen lassen. Die Melanozyten halten so viel Stress nämlich nicht aus und tun genau das, was Sie und ich in Stresssituationen auch gerne mal machen würden: Sie laufen weg und machen was anderes. Wissenschaftlich nennt man das Proliferation: die Zellen entfernen sich aus dem Haaransatz und wandern an andere Stellen Ihrer Haut. Dort können sie Ihren Haaren keine Farbe mehr verleihen und Ihre Haare müssen zukünftig ohne Farbe auskommen.


Stress führt dazu, dass die farbgebenden Zellen unsere Haarwurzeln verlassen und die Haare farblos werden

Wenn Sie’s leicht nehmen wollen, nennen Sie Ihren neuen Look „Pepper and Salt“ (engl. für graumeliert). Klingt gar nicht so schlecht, oder? Denn was wäre das Essen ohne Würze.

Wenn Sie sich mit diesem Trost nur schwer anfreunden können, habe ich eine gute Nachricht für Sie: Die Wissenschaftler haben auch einen Weg gefunden, wie sie verhindern können, dass Haare durch Stress ergrauen. Wenn die Forscher also zukünftig ein Medikament entwickeln, können Sie sich weiterhin ganz viel Stress machen ohne davon auch nur ein graues Haar zu bekommen. Nun gut, Bauch-, Rücken-, Kopfschmerzen und schlechte Laune werden Sie weiterhin haben. Wenn Sie das auch noch in den Griff kriegen wollen, müssen Sie doch lernen Ihre Stressregulation selbst in die Hand zu nehmen. Und sich ihr Stresslevel nicht von außen diktieren zu lassen.


Das Gute daran: Sie müssen nicht Jahre lang auf ein Medikament warten, sondern können heute schon anfangen.



Wie Stressregulation funktioniert, erfahren Sie in meinem Vortrag



Autor: Robert Zieringer, Psychologe




Quellen:


[1] Zhang, B., Ma, S., Rachmin, I., He, M., Baral, P., Choi, S., ... & Zon, L. I. (2020). Hyperactivation of sympathetic nerves drives depletion of melanocyte stem cells. Nature577( 7792), 676-681.

https://doi.org/10.1038/s41586-020-1935-3


[2] DGB (2019). DGB-Index Gute Arbeit.

https://index-gute-arbeit.dgb.de/++co++07123474-1042-11ea-bc98-52540088cada