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  • Helena Heinen

Corona-Krise: wie Sie im Home-Office produktiv und gesund bleiben

Aktualisiert: Juli 31



Mit der aktuellen Corona Krise und dem Appell der Politik, weitestgehend zuhause zu bleiben, um die Virusverbreitung zu verlangsamen, sind viele Arbeitnehmer dazu gezwungen, ab sofort aus dem Home-Office zu arbeiten.

Doch was auf den ersten Blick wie ein Wunschtraum klingt – vom eigenen Sofa aus arbeiten, Pause machen wann wir wollen, mit der Familie zu Mittag essen – ist in der Realität manchmal gar nicht so angenehm und einfach, wie wir uns das wünschen würden. Laut einer Studie der AOK [1] haben Beschäftigte, die von zuhause arbeiten, stärkere psychische Belastungen als ihre Kollegen im Büro. Sie sind erschöpfter, nervöser, haben mehr Konzentrationsprobleme und schlafen schlechter.

Auf der anderen Seite kann das Home-Office, im Idealfall, aber auch mit mehr Autonomie, Produktivität und Zufriedenheit einhergehen. Entscheidend ist also, WIE wir unsere Arbeit gestalten, und dass wir dabei auch gesundheitsfördernde Aspekte berücksichtigen. Was Sie tun können, um im Home-Office zufriedener, produktiver und gesünder zu werden, verraten wir Ihnen in diesem Artikel.

Bei den folgenden 6 Ratschlägen stützen wir uns auf die Erkenntnisse des sogenannten "Behaviour Change Wheel" [2] und berücksichtigen dabei Fähigkeiten, Möglichkeiten und Motivation, damit Sie unsere Tipps auch wirklich effektiv in die Tat umsetzen können.



1. Geregelte Arbeitszeiten: Die Zeitregelung im Home-Office ist viel flexibler als im Büro, was Fluch und Segen zugleich ist. Schnell passiert es, dass Arbeit auf den Abend oder das Wochenende gelegt wird, oder der Chef noch nach Feierabend anruft. Das kann auf Dauer sehr belastend sein, da man nie wirklich abschalten kann und das Gefühl hat, immer erreichbar sein zu müssen. Richten Sie sich selbst deshalb feste Arbeitszeiten ein und legen Sie fest, wann Sie die Arbeit beiseitelegen und in den Feierabend-Modus wechseln. Sprechen Sie mit Ihren Kollegen und Vorgesetzten über Ihre Regelung, so dass diese auch Verständnis dafür entwickeln, dass Sie nicht rund um die Uhr erreichbar sind.


2. Fester Arbeitsplatz: Viele Home-Office Beschäftigte geben an, auch außerhalb der Arbeitszeiten nicht abschalten zu können und in Gedanken ständig weiter bei der Arbeit zu sein. Das liegt unter anderem daran, dass man sich trotz Feierabend gefühlt noch am Arbeitsplatz befindet und jederzeit weiterarbeiten könnte. Um dem entgegenzuwirken, und

damit das mit dem Abschalten am Abend wirklich klappt, sollten Sie einen festen Arbeitsplatz einrichten. Das kann idealerweise ein Arbeitszimmer, oder auch ein Schreibtisch in einer ruhigen Ecke sein. Trennen Sie so Ihr Zuhause in einen produktiven „Arbeitsbereich“ und einen „Freizeit und Entspannungsbereich“ und widerstehen Sie der Versuchung, vom gemütlichen Sofa aus zu arbeiten. So verhindern Sie, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen.


3. Kleidung: Auch wenn Sie, um ins Büro zu kommen nur eine Zimmertür öffnen müssen, ist es wichtig, zwischen „Freizeitmodus“ und „Arbeitsmodus“ zu trennen. Es mag verführerisch sein, aber: Setzen Sie sich nicht im Schlafanzug an den Schreibtisch, sondern behalten Sie Ihre übliche Morgenroutine bei. Frühstücken, Duschen, ordentlich anziehen – das versetzt Sie in eine professionelle Laune und verleiht Ihnen Selbstbewusstsein, was beim Telefonieren auch bei Ihrem Gegenüber ankommt.


4. Kommunikation: Da man seinen Kollegen im Home-Office nicht mehr tagtäglich gegenüber sitzt wandeln sich die Anforderungen für eine gute Kommunikation grundlegend. Wie beruhigend, dass die moderne Technik uns erlaubt, uns digital miteinander zu vernetzen. Klar, der kurze Plausch am Kaffeeautomat, die schnelle Besprechung eines neuen Konzepts mit dem Chef auf dem Flur, solche spontanen direkten Kommunikationswege fallen im Home-Office weg. Und sicher gibt es Probleme, die mit einem kurzen Gespräch über den Schreibtisch schneller gelöst wären, als in endloser, missverständlicher E-Mail Kommunikation. Dennoch kann das Home-Office auch eine Chance sein, neue Wege der Kommunikation zu entdecken und dabei sogar noch effektiver und schneller zum Ziel zu kommen. Erfahrungsgemäß bereitet man sich auf ein Telefonat oder Videocall gründlicher vor als auf eine spontane Besprechung mit einem Kollegen, überlegt vorab ob das Gespräch wirklich notwendig ist und schweift weniger vom Thema ab. Eine Studie [3] zeigt, dass Beschäftigte im Home-Office im Schnitt sogar zufriedener mit der Büro-Kommunikation waren als ihre Kollegen im Büro. Wichtig, damit der Austausch im Home-Office gut funktioniert, sind zunächst natürlich verlässliche Technik und Internetzugang. Seien Sie außerdem bei Telefonaten besonders aufmerksam und sich bewusst, dass einiges an Information auf diesem Weg verloren geht. Denn normalerweise lesen wir vieles aus Körpersprache, Gestik und Mimik ab. Die Devise: lieber einmal mehr nachfragen und damit Missverständnissen vorbeugen.


5. Selbstmanagement: Vielen fehlt diese Kontrollfunktion, die ein volles Büro auf uns haben kann: die Kollegen, die alle arbeiten, die spontanen Gespräche über Dinge, die uns grade beschäftigen… Machen Sie sich hierüber jedoch keine allzu großen Sorgen: Mit diesen Problemen sind Sie nicht allein, Selbstmanagement und -Organisation sind schlussendlich persönliche Kompetenzen, die gut erlernbar sind. Im Internet finden Sie zahllose Ratgeber, Workshopangebote und Fachliteratur zur Selbstorganisation.

Unsere Empfehlung ist, sich nicht von dem großen Angebot überfordern zu lassen und die Methode zu wählen, die für Ihren Alltag und Ihre Vorlieben Sinn ergibt. Wenn Sie gerne kreativ sind, kann das „Bullet-Journalling“ – also das Organisieren von Terminen, Listen, Brainstorming und Aufgaben in einem ganz persönlichen, kreativ gestalteten Notizbuch – ein wunderbarer Organisationshelfer sein. Wenn Sie ein sehr strukturierter Mensch sind und Ihnen die Planung und Struktur im Home-Office fehlt, legen Sie einen detaillierten Zeitplaner an, weisen Sie verschiedenen Projekten verschiedene Farben zu, arbeiten Sie mit to-do-Listen und nutzen Sie auch die vielfältigen digitalen Methoden.


6. Bewegung: Das Büro zu Hause eignet sich besser als das Großraumbüro, um zwischendurch aufzustehen, durch die Wohnung zu laufen oder einfach mal vor die Tür zu gehen, um etwas Abstand von der Arbeit und neue Ideen für die Arbeit zu bekommen. Nutzen Sie diese Freiheit!



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Quellen:


[1] WIdO (wissenschaftliches Institut der AOK) 2019: Arbeiten im Homeoffice: Höhere Arbeitszufriedenheit, aber stärkere psychische Belastungen https://www.aok-bv.de/presse/pressemitteilungen/2019/index_22652.html


[2] Michie et al.: The behaviour change wheel: A new method for characterising and designing behaviour change interventions. Implementation Science 2011 6:42. Doi: 10.1186/1748-5908-6-42 https://link.springer.com/article/10.1186/1748-5908-6-42


[3] Mary Beth Watson Fritz, Sridhar Narasimhan & Hyeun-Suk Rhee (1998) Communication and Coordination in the Virtual Office, Journal of Management Information Systems, 14:4, 7-28, DOI: 10.1080/07421222.1998.11518184









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