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  • Zieringer, Robert

Bad Banks – Macht, Erfolg, Dazugehören

Aktualisiert: Juli 30



„Zug nicht bekommen? Bist Du sicher, dass Du ihn bekommen wolltest?“


fragt Gabriel Fenger in der Serie Bad Banks, deren zweite Staffel gerade erschienen ist. Meint nichts anderes als: Wenn Du nur genug willst, kannst Du alles erreichen und wenn Du es nicht schaffst dann ist das deine Willensschwäche.


Fenger ist ein Typ mit einem alles überragenden Grundmotiv: Erfolg. Grundmotive, das sind Einstellungen, die all unser Handeln und Denken durchdringen. In ihrer einfachsten Form unterscheidet man in der Psychologie zwischen drei Grundmotiven: Macht, Erfolg, Anschluss (also zu einer Gruppe dazugehören zu wollen).


Jeder folgt einem, in seltenen Fällen auch zwei dieser Grundmotive. Ob bewusst oder unbewusst (meistens der Fall), unser Grundmotiv bestimmt unser Denken, Handeln, Planen, wirkt sich auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen aus und beeinflusst welchen beruflichen Weg wir einschlagen. Meistens schlagen wir den Weg ein, der unserem Grundmotiv am meisten Befriedigung verschafft. Personen mit dem Grundmotiv „Erfolg“ finden sie in Branchen mit hohem Leistungsanspruch (z.B. bei Banken). Personen mit dem Motiv „Macht“, also Einfluss auf andere Menschen auszuüben, sind häufig in der Politik und öffentlichen Positionen anzutreffen. Menschen mit dem Grundmotiv Anschluss oft im sozialen Bereich. Das ist auch gut so, denn wer sein Grundmotiv dauerhaft nicht befriedigen kann wird frustriert und krank.



„Ich glaube, dass es eine wesentliche Ressource gibt, von der nicht genug für alle da ist und für die wir alle bereit sind zu kämpfen – Glück“,



sagt Fenger an einer anderen Stelle in der Serie. Mag sein, wenn man das Grundmotiv Erfolg hat. Und Erfolg für einen bedeutet, dass man mehr als alle anderen hat. Dass diese Definition von Erfolg zwangsweise zu Krieg, Blutbad, Untergang und persönlicher Misere führt, brauche ich wohl nicht zu erklären. Aber genau hierin liegt der Schlüssel zu unserem Umgang mit unserem Grundmotiv. Was definieren wir als die Erfüllung unseres Motives? Das Grundmotiv selbst können wir nicht ändern, wie wir es befriedigen aber schon.


Wenn ich also das Grundmotiv „Anschluss“ habe, bin ich dann erst glücklich und zufrieden wenn mich alle Leute mögen und ich auf jedem Geburtstag eingeladen bin? Oder reicht es auch, wenn ich eine feste Gruppe an Freunden habe, auf die ich mich verlassen kann und die mich wirklich akzeptieren wie ich bin. Natürlich würden Sie jetzt sofort der zweiten Aussage zustimmen – logisch gedacht wissen Sie, dass Sie es nicht allen recht machen können. Aber verhalten Sie sich wirklich so oder geraten Sie nicht ab und an in Versuchung nachzugeben, „Ja“ zu sagen, sich extra etwas aufzuladen, nur um von jemandem akzeptiert zu werden, dessen Akzeptanz Ihnen offen gesprochen an einem Körperteil unterhalb der Gürtellinie vorbeigehen könnte? Wenn da eben ganz tief innen nicht dieser Wunsch nach Anschluss, nach dazugehören, in Ihnen stecken würde. Und Sie sich dessen nicht bewusst sind.


Gabriel Fenger könnte die Sache mit dem Glück auch entspannter angehen, wenn Erfolg für ihn nicht bedeuten würde, dass er gewinnt und alle anderen verlieren.

Aber wahrscheinlich hat er keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Er ist viel zu sehr damit beschäftigt mit allen anderen um die Ressource „Glück“ zu kämpfen als dass er seine Position, seinen Wohlstand, seine Bildung als Glück begreifen könnte.


Und darin sind wir Gabriel Fenger gar nicht unähnlich: Wie oft vergessen Sie alle und alles, was Ihren Hunger nach Erfolg, Einfluss oder Dazugehören stillen könnte und kämpfen stattdessen für mehr – auch da wo das kämpfen ganz und gar sinnlos ist.


„Zug nicht bekommen?“ – „Ja, wäre aber ohnehin der falsche Zug gewesen.“



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Autor: Robert Zieringer, Psychologe