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  • Helena Heinen

App statt Arzt - wie wirksam sind Gesundheitsapps?


Abbildung: Wirksamkeit von Gesundheitsapps gegenüber klassischen Interventionen.

Unter klassische Interventionen fallen psychologisch fundierte Trainings (meist kognitive oder verhaltensbezogene Ansätze, Edukationsverfahren oder Training spezifischer Fähigkeiten) die vor Ort in einem bestimmten Zeitraum stattfinden.


Wir schreiben das Jahr 1920. Frauen dürfen in Deutschland seit einem Jahr wählen gehen, die ersten Autos erobern die Straßen, der Rundfunk wird eingeführt. Kunst, Kultur und Wissenschaft erleben eine goldene Blütezeit, es liegt Veränderung in der Luft. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Es grassiert auch die spanische Grippe, die weltweit bis zu 50 Millionen Tote gefordert hat, viele Menschen haben keinen Zugriff auf medizinische Versorgung, auch Antibiotika werden erst in 8 Jahren entdeckt werden.


Deutschland, 2020. Die Welt ist heute eine andere. Dinge wie Raumfahrt oder künstliche Intelligenz, die vor hundert Jahren undenkbar gewesen wären, sind Realität geworden. Doch auch wenn viele akute Krankheiten heute durch bessere Hygiene, medizinische Versorgung und moderne Medikamente „besiegt“ scheinen, manifestiert sich Krankheit heute nur anders – so kämpfen wir dafür heute z.B. verstärkt mit chronisch-entzündlichen Krankheiten, wie Multipler Sklerose. Auch psychische Erkrankungen sind seit einigen Jahren auf dem Vormarsch. Ein Gesundheitsreport der DAK [1] zeigt, dass psychische Erkrankungen heute die zweithäufigste Ursache für Arbeitsausfall sind. Laut der WHO [2] stellt Stress im 21. Jahrhundert eine der größten Gesundheitsgefahren dar!


Die wohl größte und am stärksten einschneidende Veränderung der letzten 100 Jahre ist das Internet. Arbeit, Bildung, Einkaufen oder sozialer Austausch – für fast alles gibt es heute digitale Lösungen. Warum sollen wir nicht mithilfe des Internets auch unsere Gesundheit revolutionieren?

In den letzten Jahren entwickeln sich digitale Anwendungen rasant. Besonders beliebt – da benutzerfreundlich, zeiteffizient und von überall anwendbar ­– sind Apps (Smartphone- oder Webbasiert). Klar, für social Media, Spiele und ähnliches kennen wir das alles. Aber wie sieht es im Gesundheitsbereich aus? Besser schlafen, weniger Stress, mehr Wohlbefinden und das alles mithilfe einer App – klingt nach einem schönen Wunschtraum? Nicht ganz! Über 100.000 Gesundheits-Apps boomen mittlerweile auf dem App-Markt. Ob Krafttraining, Kochrezepte oder Kalorienzählen, Schwangerschaft, Schlafqualität oder Schrittzähler – zu praktisch jedem Gesundheitsthema gibt es mittlerweile eine passende App.


Die Nutzerzahlen von Gesundheits-Apps steigen stetig. Besonders durch die Corona-Krise kommen digitale Gesundheitsanwendungen in den Trend. 80% der digitalen Gesundheits-startups berichten einen deutlichen Anstieg von Nutzungshäufigkeiten und Neukunden [3]. Der Trend verspricht, dass zukünftig Patienten passende Gesundheits-Apps sogar von Krankenkassen zur Verfügung gestellt bekommen sollen.

Gerade im Bereich der psychischen Gesundheit rücken Apps in den Fokus – etwa wenn es um Stress, Entspannung, Schlafstörungen oder Produktivität geht. Die wichtigste Frage, die sich dabei stellt, ist aber: Wie effektiv sind diese Apps? Können sie wirklich das leisten was sie versprechen? Oder sind doch klassische offline-Programme wirksamer?


Wir haben uns wochenlang durch die wissenschaftlichen (Online-) Bibliotheken gewühlt, Studien bis hin zu den kleinsten Details zerpflückt, statistische Werte gesammelt, Werte umgerechnet, in Tabellen eingetragen und miteinander verglichen – und das alles für den einen Zweck: Wir wollten wissen, wie gut Gesundheitsapps denn nun wirklich sind!


Tatsächlich bestätigt die Studienlage, was wir vermutet haben: Apps können die Gesundheit deutlich verbessern!


Burnout

Apps wirken sehr gut bei Burnout. In Studien wird Burnout meist durch einen Fragebogen erfasst, bei dem man zu Aussagen wie „Ich fühle mich durch meine Arbeit emotional erschöpft“ oder „ich fühle mich bereits ermüdet, wenn ich morgens aufstehe und einen neuen Arbeitstag vor mir liegen sehe“ auf einer Skala von 0-6 angibt, wie sehr diese auf einen zutreffen. Ein Wert von 0 würde demnach bedeuten tiefenentspannt zu sein, ein Wert von 6 signalisiert dagegen, dass man schon am Rande eines Nervenzusammenbruchs steht. Nachdem sie an einer Online-Maßnahme teilgenommen haben sanken die Antworten der Teilnehmer um mehr als 0,5 Punkte auf der Burnout-Skala. Das bedeutet, dass sich die Nutzer der App fast 10% fitter fühlten. [4]



Schlaf

Beim Thema Schlaf sind Apps im Schnitt sogar wirkungsvoller als traditionelle Programme. Teilnehmer eines klassischen Schlafprogramms schliefen im Schnitt 25 Minuten länger als vorher [5], umgerechnet auf die deutlich höhere Wirksamkeit von e-Interventionen [6] würde das bedeuten, dass User hier

sogar 41 Minuten länger schlafen. Schlafapps arbeiten meist mit diversen Ansätzen die die sogenannte „Schlafhygiene“ verbessern sollen, worunter z.B. die Einrichtung fester Schlafenszeiten, Vermeidung von Koffein und längeren Mittagsschläfchen oder kleine Übungen kurz vorm Zubettgehen, die die Schlafqualität verbessern, fallen.



Stress

Bei einer anderen Gesundheitsapp führt man als User in sieben Einheiten ein selbstgeführtes Stressmanagementtraining durch, in dem man z.B. Problemlösekompetenzen und Emotionsregulation lernt. In einer Studie wurden die Teilnehmer nach ihrem selbst wahrgenommenen Stresslevel gefragt, wobei sie in verschiedenen Fragen bis zu 40 „Stresspunkte“ sammeln konnten. 6 Monate nach Verwendung der Trainingsapp sanken die Teilnehmer auf dieser Stressskala von durchschnittlich 26 auf nur noch 18 Punkte. Sie nahmen ihr Leben also durch die Verwendung der App als 30% weniger stressig wahr! [7]



Wohlbefinden

Auch das generelle Wohlbefinden und die allgemeine psychische Gesundheit kann durch Gesundheitsapps deutlich verbessert werden! Eine Studie untersuchte verschiedene Arten von Apps, die mit positiver Psychologie und Prinzipien aus der Verhaltenstherapie arbeiten und fand, dass diese das Wohlbefinden der Anwender um knapp 10% steigern konnte! [8]



Achtsamkeit

Ein Thema, dem in den letzten Jahren immer mehr Beachtung geschenkt wird, ist Achtsamkeit. Achtsamkeit, also den aktuellen Moment und die eigenen Empfindungen ganz bewusst und ohne zu urteilen wahrzunehmen, ist sehr wichtig für unsere psychische Gesundheit und unser Wohlbefinden. Eine App bietet beispielsweise ein 8-wöchiges Achtsamkeitsmeditationsprogramm an das sich die Teilnehmer einfach als Audiodateien anhören können und dazu mitmeditieren. Nachdem sie diese Meditationen über 8 Wochen hinweg angewendet hatten, schätzten sich die Teilnehmer tatsächlich als deutlich achtsamer ein, also zuvor [4].



Uns hat dieses deutliche Bild bei der Recherche selbst überrascht und wir sind mittlerweile echte Fans von Gesundheitsapps geworden. Sie überzeugen uns nicht nur mit ihrer Wirksamkeit, auch den Spaßfaktor von Apps sowie die einfache Handhabung gegenüber traditionellen Gesundheitsprogrammen schätzen wir sehr! Sie sind super in den Alltag zu integrieren, relativ kostengünstig (oft gibt es auch kostenlose Probeversionen) und bewirken eine messbare Verbesserung der Gesundheit.


Natürlich ist App nicht gleich App, bei einem so vielseitigen Angebot sind selbstverständlich nicht alle Anwendungen gleichermaßen effektiv und empfehlenswert ­– einige haben uns aber sehr überzeugt.


Sie wollen wissen welche? Wir helfen Ihnen gerne, wenn Sie Ihrer Belegschaft eine der vielen tollen Gesundheitsapps zur Verfügung stellen wollen.


Nehmen Sie für ein kostenloses Gespräch zu uns Kontakt auf! Wir freuen uns auf Sie.


Bleiben Sie gesund!


Ihr Zieringer Consulting Team



Quellen:


[1] Deutsche Angestellten Krankenkasse (2013). DAK Gesundheitsreport 2013. Hamburg.


[2] WHO (1998). Gesundheit21: Eine Einführung zum Rahmenkonzept „Gesundheit für alle“ für die Europäische Region der WHO. Geneva: WHO.


[3] Strategy& PwC digital health care survey


[4] Allexandre, D., Bernstein, A. M., Walker, E., Hunter, J., Roizen, M. F., & Morledge, T. J. (2016). A Web-Based Mindfulness Stress Management Program in a Corporate Call Center: A Randomized Clinical Trial to Evaluate the Added Benefit of Onsite Group Support. Journal of occupational and environmental medicine, 58(3), 254–264.


[5] Crain, T. L., Schonert-Reichl, K. A., & Roeser, R. W. (2017). Cultivating teacher mindfulness: Effects of a randomized controlled trial on work, home, and sleep outcomes. Journal of occupational health psychology, 22(2), 138–152.


[6] Phillips E.A., Gordeev V.S. & Schreyögg J. (2019). Effectiveness of occupational e-mental health interventions: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Scandinavian journal of work, environment and health, 45(6), S. 560-576.


[7] Thiart H, Ebert DD, Lehr D, Nobis S, Buntrock C, Berking M, Smit F, Riper H. Internet-Based Cognitive Behavioral Therapy for Insomnia: A Health Economic Evaluation. Sleep. 2016 Oct 1;39(10):1769-1778


[8] Bolier, L., Ketelaar, S.M., Nieuwenhuijsen, K., Smeets, O., Gärtner, F.R., & Sluiter, J.K. (2014). Workplace mental health promotion online to enhance well-being of nurses and allied health professionals: A cluster-randomized controlled trial. Internet Interventions, 1, 196-204.