EAP auf dem Prüfstand

Wie erkennen Sie, dass es Verbesserungsbedarf in der Zusammenarbeit mit Ihrem EAP-Anbieter gibt? Was sind die Zeichen einer mangelhaften Zusammenarbeit? Und was zeichnet eine gute Zusammenarbeit aus? Antworten auf ihre Fragen finden Sie hier.

Eines gleich vorweg: Ob die Zusammenarbeit mit ihrem EAP-Anbieter als gut, schlecht oder mittelmäßig zu beurteilen ist, hängt natürlich davon ab, welche Erwartungen Sie an die Zusammenarbeit haben. Verstehen Sie ihr EAP als Feuerwehr, die man nur anruft, wenn’s wirklich brennt, werden Sie schon zufrieden sein, wenn jeder weiß, dass es ein EAP gibt und sich ab und zu ein Mitarbeiter meldet.

 

Der Anspruch vieler erfolgreicher Unternehmen ist aber höher, als nur eine „Notrufnummer“ am schwarzen Brett hängen zu haben. Sie wünschen sich einen strategischen Partner, der nicht nur ihre Mitarbeiter in allen Fragen der Gesundheit, sondern auch Sie in allen Fragen der Personalarbeit unterstützen kann. Von diesem Anspruch gehe ich im Folgenden aus.

 

Sind die Mitarbeiter Ihres EAP vor Ort?

Damit ihr EAP-Anbieter Sie in allen Fragen der Personalarbeit beraten kann, ist es unabdingbar, dass regelmäßig ein Mitarbeiter des EAPs bei Ihnen vor Ort ist. Mindestens an den Hauptstandorten. Idealerweise steht der EAP Anbieter auch mit weiteren Personen aus Ihrer Organisation, z.B. dem Betriebs- oder Personalrat, dem arbeitsmedizinischen Dienst oder HR Ansprechpartnern an den jeweiligen Standorten in Kontakt. Eine Studie zeigte: Die regelmäßige Anwesenheit des Anbieters führte zu einer mehr als 4 Mal so hohen Nutzung des Angebotes! [1]

Wissen Sie, an wen Sie sich bei Ihrem EAP-Anbieter immer wenden können? Wenn nicht, sollte das Ihnen zu denken geben.

Wie wird das EAP-Angebot genutzt?

Ihr EAP-Anbieter sollte Ihnen regelmäßig aussagekräftige Nutzungsberichte zur Verfügung stellen. Damit Sie wirklich Trends in der Inanspruchnahme beobachten können, sollten Sie die Berichte mindestens halb-, besser sogar vierteljährlich erhalten.

Wie viel Prozent Ihrer Belegschaft das Angebot idealerweise nutzen sollte, müssen Sie selbst definieren.

 

Aber der Anteil der Bevölkerung in Deutschland, die innerhalb eines Jahres unter einer psychischen Erkrankung leidet, liegt bei 27,7% [2]!

Ein Großteil der betroffenen Personen sucht sich keine Hilfe im öffentlichen Gesundheitssystem und sollte eigentlich den Weg zu Ihrem EAP-Anbieter finden.

Denn der Zugang zur Psychotherapie im öffentlichen Gesundheitssystem ist (leider immer noch) mit Scham und viel Mühe behaftet. Der Zugang zu Ihrem EAP-Anbieter sollte leichtfällig und niedrigschwellig sein.

Nimmt also nur ein kleiner Bruchteil Ihrer Belegschaft das EAP in Anspruch, dann erreicht das EAP wohl kaum alle Personen, die von dem Angebot profitieren können. Und was keiner nutzt, nützt auch niemandem etwas – auch Ihrer Organisation nicht.

 

Passt das EAP zu Ihren Zielen?

Der EAP-Anbieter sollte Sie bei der Erreichung der Ziele Ihrer Organisation und Ihrer Abteilung unterstützen können. 

Sie wollen die kontinuierliche berufliche und persönliche Entwicklung Ihrer Mitarbeiter fördern? - Was bietet Ihr EAP-Anbieter in Sachen Coaching und Seminaren an?

Sie wollen eine gesunde Führungskultur etablieren? - Hat Ihr EAP-Anbieter ein extra Angebot für Führungskräfte und wie gut wird dieses in Anspruch genommen?

Geben Sie sich nicht mit zu wenig zufrieden!

 

Quellen:

 

[1] Burnus, M., Benner, V., Kirchner, D., Drabik, A., & Stock, S. (2012). Feldvergleich von zwei Zugangskonzepten zur betrieblichen Mitarbeiterberatung mit dem Ziel der Stressintervention im Haus eines Versicherungskonzerns-Steigerung der Inanspruchnahme durch Direktansprache der Mitarbeiter am Arbeitsplatz. Versicherungsmedizin, 64(1), 17-22.

http://www.gesunde-firma.de/media/10953/publikation-versicherungsmedizin-2012-846723.pdf

[2] Jacobi, F., Höfler, M., Strehle, J., Mack, S., Gerschler, A., Scholl, L., ... & Maier, W. (2014). Psychische Störungen in der Allgemeinbevölkerung. Der Nervenarzt, 85(1), 77-87.

https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00115-013-3961-y